ausflüge · brauereien · interviews · sonstiges

bunthaus brauerei – unser besuch im schankraum. außerdem: die jungs im interview über brauereigründung und co.

es gibt brauereien, von denen hast du schon mal gehört, und wenn du eh in der stadt bist, willst du auf jeden fall mal vorbei. kann man ja sicher gut in nem beitrag integrieren. und dann bist du dort und denkst dir im nachhinein: nä. diese jungs brauchen nen eigenen post, viel zu gut, was die machen 😉 volià: ich stell euch hier mal die bunthaus brauerei vor. und ja, wir sind immer noch in hamburg, da war einfach so viel los 😀

ein besuch im bunthaus-schankraum

etwas abseits, im wilhelmsburger inselpark, befindet sich deren schankraum. den haben wir besucht – und waren begeistert. die location ist der hammer, ein altes verdüsungs-gebäude, das mit ner sehr coolen atmosphäre daherkommt. aber schon von außen macht das – direkt neben dem wasserwerk gelegene – gebäude etwas her. besonders schön das schild davor: „bier vom brauer“ 😀 herrlich.

20180308_180405-01

und so sieht der schankraum aus:

dufte, oder? 🙂 da hat sich das durch den regen laufen echt mal gelohnt. vor allem aber auch, weil: die brauen echt geile bierchen! probiert haben wir:

das alpaka ipa, das 1806 wilhelmsburger sowie ein rote bete saison. alle als äußerst (!) lecker befunden! 😉 außerdem hatten die jungs ein paar gastbierchen am start, auch ne gute auswahl gewesen, aber wir haben uns dann doch auf die bunthausbiere konzentriert, jammi! die jungs – das sind übrigens jens und jens.

links: jens block, diplom biologe, fachmann in sachen hefe und rohstoffe. rechts: jens hinrichs, baut hauptberuflich websiten, braut schon viele, viele jahre, hat den anderen jens zum brauen angefixt. fotos: bunthaus.beer

beide mega sympathisch und kommunikativ, auch, was deren arbeit(sweise) angeht! hier und da – und besonders beim thema „vom hobby zum beruf“ – hab ich mal ein bisschen genauer nachgefragt 😉

die bunthaus-brauer im interview

irgendwann mein eigenes bier verkaufen – ein gedanke, den sicherlich viele hobbybrauer teilen. ihr habt es gemacht (zum glück! ;)). gibt’s etwas, das ihr euch in diesem bereich irgendwie einfacher vorgestellt habt? was ist eurer meinung und erfahrung nach das schwierigste auf dem weg vom hobbybrauen bis zum verkauf?

zuerst einmal: vieles stellt man sich leichter vor als gedacht und anderes geht einfacher als gedacht. wir hatten mit verschiedenen dingen zu kämpfen, aber nichts was nicht wirklich unlösbar ist.

  • die genehmigung eine brauerei zu betreiben ist von vielen behördenauflagen begleitet worden. abwasservorschriften, lärmschutz, brandschutz usw.

  • auch ist nicht zu vernachlässigen, dass der sprung von der diy-brauanlage zu einer industrieanlage ein riesiger ist. klar, man kann auch nur mit töpfen und gas sein bier brauen, aber irgendwann denkst du dir, das geht doch alles effizienter und dann fängst du an, dich mit dem thema zu beschäftigen und merkst, „wow, das kostet richtig viel asche.“

  • der vertrieb von bier ist keineswegs einfach. viele kneipen und restaurants sind an bestimmte brauereien gebunden. die finden das bier dann zwar lecker, können es dann aber nicht an den hahn nehmen, weil sie vertraglich gebunden sind. flaschenbier ist meistens kein problem.

die nächste frage schließt sich daran an. habt ihr besondere tipps für noch-hobbybrauer, die mit dem gedanken spielen, ihr hobby zum beruf zu machen? irgendwas, das ihr besonders empfehlt – oder im gegenzug auf keinen fall empfehlt?

unterschätzt die eigene “bubble” nicht. jeder eurer freunde wird begeistert sein und eure biere lecker finden, solange ihr keinen scheiß produziert, denn bierbrauen gilt immer noch so besonders wie zauberei.

holt euch ehrliches feedback ein – bei hobbybrauer stammtischen oder ähnlichem. der schritt vom hobby zum beruf ist ein gewaltiger. einfach mal durchrechnen, wie viel bier man verkaufen muss, um die miete der brauerei reinzuholen, dann kommt da noch so viel anderes hinzu: gehalt, rohstoffe, energiekosten, auto, usw…

empfehlen können wir nur:

  • macht euch vorher gedanken, was ihr damit erreichen wollt. spaß, geld, anerkennung?

  • startet nicht mit einem markennamen, der kommt schon früh genug. wenn ihr aber einen namen gefunden habt, überprüft, ob der nicht geschützt ist.

  • versucht so viel wie möglich selbst zu machen und gleichzeitig dinge auszulagern, die ihr einfach nicht könnt. viele leute haben bock auf so ein projekt und nehmen gerne bier als bezahlung.

„was brauen wir als nächstes?“ – nach welchen kriterien geht ihr da vor? aktueller eigener bock auf ein bestimmtes bier? fragt ihr eure gäste? schaut ihr, was andere gerade so brauen und was angesagt ist? ist es ein saisonales ding? erzählt! 🙂

ja, das stimmt im grunde genommen alles. wir brauen viele biere mit zutaten, die gerade dann zur verfügung sind, z.b. holunderblüten, rote bete oder auch gurken.

aber natürlich brauen wir auch andere biere, die gerade im trend sind, die müssen uns aber auch schmecken, wie z.b. double ipa oder session ipa.

dazu haben wir manchmal ein paar verrückte ideen, wie z.b. unsere gose morning vietnam, unsere vietnamesische interpretation einer gose, mit zitronengras, limetten, indischem koriander und fischsauce (statt salz).

ihr habt auch gastbiere an euren zapfhähnen – nach welchen kriterien wählt ihr diese aus? alle selbst auch für dufte befunden, nehme ich an, hm? 😉

bis jetzt hatten wir nur gastbiere von anderen brauereien, zu denen wir einen direkten kontakt haben und das bier nicht durch die ganze republik gefahren werden muss. aber klar, wir werden kein bier am hahn haben, das uns nicht schmeckt. uns ist der direkte draht wichtig.

wir hatten sogar schon bier von „brus“ aus kopenhagen am hahn, das wurde aber klimaneutral ganz klassisch per segelboot von unseren freunden cpt. leewards aus kopenhagen geholt.

uns – als hobbybrauer – ist aufgefallen, dass brauer zum teil sehr unterschiedliche ansprüche an die eigenen biere stellen – es gibt die superkritischen, deren biere für alle anderen oder zumindest den großteil top sind, und wiederum solche, die dir das bier ohne viel dazu zu sagen vor die nase stellen und du dich fragst, ob der brauer es überhaupt selbst probiert hat und warum er es ausschenkt. wie penibel seid ihr beim bierprobieren, bevor ihr es anbietet? schenkt ihr es auch aus, wenn ihr es selbst nur mit ok bewertet?

wenn man danach gehen würde, würden viele biere nicht in den verkauf gehen, da geschmäcker natürlich völlig verschieden sind. wir sind schon super kritisch mit unseren bieren, aber da selbst wir beide so unterschiedliche vorlieben haben, kommt es auch mal vor, dass ein bier an den hahn kommt, von dem einer von uns beiden nicht überzeugt ist. die vergangenheit hat aber auch gezeigt: für jedes bier gibt es immer einen liebhaber.

ihr seid ja mit euren bieren auch gerne mal experimentierfreudig, da fällt mir spontan das „rote bete saison“ ein. ist euch schon mal etwas daneben gegangen, sodass ihr nen sud wegkippen musstet?

also bier wird’s immer! spaß beiseite, wir haben auch schon ein paar sude entsorgen müssen, die nichts geworden sind, ich denke das gehört aber dazu, wenn man experimentierfreudig sein will. zum glück hält sich der verlust immer in grenzen.

stichpunkt männerfreundschaft. sich „privat“ bestens zu verstehen und gern auch mal bei nem bierchen zusammen abhängen, ohne dass es mal ums brauen geht, ist die eine sache.
wenn zwei brauen, treffen auch immer zwei meinungen – und geschmäcker! – aufeinander. wie sieht das bei eurer gemeinsamen arbeit aus – wo kommt’s da am ehesten zu diskussionen oder uneinigkeiten? und habt ihr irgendwie ne bestimmte arbeitseinteilung, wer sich um was kümmert?

schwieriges thema – nächste frage bitte!

nein, das ist tatsächlich ein thema, mit dem wir immer wieder zu kämpfen haben. wir beide sind tatsächlich recht verschiedene menschen, auch wenn wir oft sehr harmonisch wirken. wir haben beide einen sehr starken charakter und tun uns schwer damit, von unserer meinung abzurücken; das führt natürlich oft zu reibereien, aber am ende kommt das beste aus 2 welten heraus.

unter den beliebten craftbierstilen – gibt’s da auch einen, auf den ihr so gar keinen bock habt/hättet? gibt es irgendwas, das ihr vermutlich (erstmal) nicht brauen werdet? why not? 🙂

new england ipa. zweimal probiert, das ergebnis war auch o.k., aber die messlatte ist natürlich immens hoch, und der materialaufwand riesig. davon lassen wir (erstmal) die finger.

sagen wir, ihr besucht nen laden, der auch euer bier am zapfhahn hat; den rest der biere kennt ihr auch. trinkt ihr bunthaus oder wen anders? anders gefragt: wie lieb habt ihr euer eigenes bierchen? 😀

gemeine frage. wir trinken unsere biere sehr gerne, aber natürlich sind wir auch craft beer enthusiasten und wollen immer neue dinge probieren. aber es ist schon ein witziges gefühl, das eigene bier zu bestellen und der beerkeeper erzählt dir dann was über dein bier.

ihr habt im letzten jahr eine crowdfunding kampagne gestartet, um in eine flaschenabfüllanlage zu investieren. das projekt war erfolgreich, wie ist da der aktuelle stand – bekommt man euer bier jetzt also auch in flaschen? wooo denn? 🙂

ja, unsere flaschenabfüllanlage läuft! aber natürlich ist es immer noch ein teil-manueller prozess. am liebsten verkaufen wir unser bier selber, also in unserem schankraum oder an der brauerei. alle weiteren vertriebsstellen sind noch nicht fest. wir haben aber natürlich schon ein paar gespräche geführt. aber erstmal müssen wir die crowdfunding supporter fertig beliefert haben. wir haben uns als internes ziel den 1.5. gesteckt.

immer öfter hört man von collaboration brews – hättet ihr grundsätzlich auch mal interesse daran, mit anderen brauern zusammen zu brauen? hättet ihr da eventuell auch eine idee, in welche richtung (brauerei, bierstil) es gehen sollte?

auf jeden fall, sowas ist immer gut, um seine bekanntheit zu steigern oder auch dinge von anderen zu lernen. es gibt noch nichts konkretes, aber das eine oder andere ist schon in den startlöchern.

zu guter letzt: ich hab eure biere neulich bei euch im schankraumprobiert und wäre geeerne noch länger geblieben 😉 jetzt liegt diese location ja doch ein wenig abseits – warum sollten die leute trotzdem vorbeikommen, wenn sie doch im zentrum auch viele andere gelegenheiten haben, craftbier zu trinken? eures ist sehr geil, keine frage – habt ihr noch andere argumente? 😉 mich hat ja besonders auch die location geflasht… 🙂  womit plant ihr eure (potentiellen) gäste als nächstes zu beglücken? …macht mal ordentlich werbung, los! 😉

uns ist natürlich klar, dass unser schankraum nicht sehr zentral liegt, dafür haben wir im sommer eine super tolle umgebung mitten im inselpark. kanustrecke direkt vor der tür, toller spielplatz in wurfweite, wunderschönes außengelände mit vielen sitzmöglichkeiten und eine riesige liegewiese. mit dem fahrrad sind wir tatsächlich auch super von der innenstadt zu erreichen. wer dann im sommer vor einem der open airs, die fast jedes wochenende in wilhelmsburg stattfinden, ein paar leckere biere trinken und was leckeres essen möchte, sollte unbedingt bei uns einkehren.

…dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen 😉 vielen dank an euch zwei! 🙂

und an den rest: hin da! sooo lecker!

tschüss, ihr piepmätzchen ❤

euer hopfenmädchen

 

 

 

Advertisements

Ein Kommentar zu „bunthaus brauerei – unser besuch im schankraum. außerdem: die jungs im interview über brauereigründung und co.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s