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wie wichtig ist die nase beim biertasting? und wie schmeckt bier, wenn man nicht riechen kann? – ein kleines experiment

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was macht ihr, nachdem ihr euch zwecks tasting ein bier ins glas einschenkt? vielleicht schaut ihr es euch erst einmal an, um die farbe und den schaum zu begutachten 😉 aber einer der weiteren punkte ist doch sicher: daran riechen! schließlich will man ja auch prüfen, ob wirklich drin ist, was drauf steht und was einem eben sonst noch für gerüche und eindrücke entgegenfliegen – soweit man das mit der nase eben kann.

ich kenne jemanden, der nicht riechen kann (auch den größten muff nicht :D). ab und an bekommt er irgendwie eine ahnung, wie etwas riechen könnte, aber riecht er an bier, kommt da nichts. ich hab mich gefragt: wenn er bier nicht bewusst riechen kann, wie sieht das dann mit dem schmecken aus?

denn nicht nur zum riechen ist die nase wichtig, sondern auch für den geschmackssinn (einfachstes beispiel: wer schnupfen hat, schmeckt häufig nicht ganz so gut wie sonst… versteht das jetzt, wie ihr wollt 😀 ihr wisst, was ich meine… ;))  – und darum ging’s mir bei diesem test. natürlich musste auch ein vergleich her, bzw. gleich mehrere: beim tasting also ebenfalls mit von der partie: ein weiterer männlicher tester (der riechen kann) – im folgenden riecher genannt – und eine frau (yeah!) – im folgenden frau (yeah!) genannt – denn zwischen männlein und weiblein gibt es ja vielleicht auch noch mal unterschiede, was das schmecken angeht – vermutlich bei jedem menschen, egal ob frau oder mann – aber man kann ja nicht die ganze welt zum tasting einladen 😉 alle drei „meiner“ tester sind jedenfalls craftbier-liebhaber. 🙂

ich wollte also wissen:

  • gibt es unterschiede beim bierschmecken zwischen riechenden und nicht riechenden menschen und wie sehen diese aus?
  • gibt es unterschiede beim bierschmecken zwischen frauen und männern?
  • kann man nicht riechen können mit einem einfachen nase-zuhalten vergleichen?

verkostet wurde blind, die tester wussten also nicht, welches bier sie gerade getrunken haben. ich hatte die gläser abgedunkelt und die drei gebeten, nicht zu tief ins glas zu schauen 😀 – farbe war also auch nicht erkennbar. anschließend mussten die drei angeben, was sie so geschmeckt haben. zur auswahl standen:

  • hopfenbetont
  • fruchtig
  • herb
  • malzig
  • süß
  • säuerlich
  • hefebetont
  • röstig
  • süffig
  • mild
  • rauchig
  • würzig
  • spritzig

plus, was ihnen sonst noch so eingefallen ist. ich wollte ihnen natürlich möglichst viele und unterschiedliche aromen und nuancen zum probieren geben und hab darum auch mal maisel’s biersommelier – danke noch mal, micha! 😉 – um rat gefragt.

entschieden hab ich mich dann für:

  • das maisel & friends pale ale, was in die fruchtig-hopfige richtung geht
  • das brewdog hardcore ipa mit 150 ibu – deutlich herber
  • der maisel & friends chocolate bock – für die malzige note
  • das lemke weizen sowie
  • die brlo berliner weisse – um auch den sauren bereich abzudecken.

während der nicht-riecher alle fünf biere einfach ganz normal testen sollte, haben riecher und frau (yeah!) zusätzlich jedes bier auch noch mal mit nase-zuhalten probiert. jeder der drei hat jeweils immer ein anderes bier vorgesetzt bekommen, sodass sie sich da nicht irgendwie beeinflussen konnten.

das ergebnis:

was mir als erstes aufgefallen ist: der nicht-riecher hat bei allen bieren mehr aromen angegeben, als riecher und frau (yeah!). außerdem hat er, abgesehen von dem sauren brlo, bei allen bieren röstige aromen geschmeckt. ebenfalls interessant: das brewdog hardcore ipa hat er mit „bitter wie kohle“ beschrieben. spannend, was ihm da so als vergleich in den sinn kommt 😉 das einzige bier, das er mitunter „fruchtig“ fand, war das saure brlo (das säuerliche hat er aber auch geschmeckt, ebenfalls gab’s hier noch ein „brausig“ dazu).

das typisch fruchtige im maisel & friends pale ale haben frau (yeah!) und riecher natürlich geschmeckt, ging jedoch mit nase-zuhalten völlig unter; da haben sie nur „herb“ angekreuzt – genau wie der nicht-riecher, zusätzlich zu dem seltsamerweise geschmeckten röstaroma 😉

auch fast schon beeindruckend 😀 : beim lemke weizen haben frau (yeah!) und riecher mit nase-zuhalten gar nichts geschmeckt (außer das spritzige durch die kohlensäure), während der nicht-riecher bei diesem bier mehr aromen angegeben hat, als bei jedem anderen. zusätzlich hat er auch hier noch „brausig“ angegeben. das maisel & friends chocolate bock haben alle drei so gut wie gleich geschmeckt, daraus wurde sowohl beim riecher als auch bei der frau (yeah!) mit nase-zuhalten ein herbes bier (wobei die frau (yeah!) hier zusätzlich noch das röstige rausgeschmeckt hat).

das brewdog hardcore ipa kam ebenso bei allen drei riechern sehr ähnlich an (abgesehen von des nicht-riechers röstaroma ;)); von der frau (yeah!) gab’s noch ein „säuerlich“ dazu – auch interessant 😉 generell gabs bei der frau (yeah!) fast bei jedem bierchen ein aroma mehr, als beim riecher.

mein fazit: der nicht-riecher schmeckt zum einen mehr aromen und zum anderen auch solche, die ein riecher (ob männlich oder weiblich) mit diesem bier gar nicht in verbindung bringen würde. gleiches gilt für seinen vergleich („bitter wie kohle“) und das „brausige“, das er angegeben hat 😉 wenn man sich als riecher die nase zuhält, schmeckt man so gut wie gar nichts mehr heraus ; vergleichbar mit jemandem, der nicht riechen kann, ist es aber nicht. die frau (yeah!) schmeckt generell ein bisschen mehr als der männliche riecher.

alles in allem ein sehr witziger und interessanter test, den man bestimmt noch weiter hätte ausbauen können; ich bin mir sicher, dass da noch mehr kuriose ergebnisse rauszuholen wären/sind 😀

aber ob riecher oder nicht-riecher – die hauptsache ist doch, dass es schmeckt 😉

tschüss!

euer hopfenmädchen

 

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3 Kommentare zu „wie wichtig ist die nase beim biertasting? und wie schmeckt bier, wenn man nicht riechen kann? – ein kleines experiment

  1. Klasse Experiment! Ich denke mal, dass der Nicht-Riecher den fehlenden Geruch durch seine Geschmacksknospen kompensiert. Echt interessant, was man mit ein wenig Gewohnheit ohne riechen so schmecken kann. Als Riechern wäre ich da aufgeschmissen. Ob Frauen oder Männer besser schmecken können, ist wissenschaftlich übrigens nach wie vor ein Streitthema. Ein guter Geschmacksinn ist zwar genetisch bedingt, aber Lebensgewohnheiten können ihn stark beeinflussen. Wer viel raucht und Kaffee trinkt zum Beispiel, büßt schon einiges an Geschmacksinn ein. Also angeblich. Ich bin ja nun Raucherin und passionierte Kaffeetrinkerin – und kann bei Bier-Tastings oder Weinverkostungen locker mit meinem Liebsten mithalten. Nur in Sachen Bitterstoffe scheine ich eine Mimi zu sein, was ich wegen meines Kaffeekonsums echt nicht verstehen kann. Egal, was ich eigentlich sagen wollte: unsere Sinne sind bei Tastings echt schon eine spannende Sache! Danke für deinen Erfahrungsbericht. Und bitte, bitte mehr davon! 😀

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  2. 🙂 ja, ich fand’s auch mega spannend… und verrückt 😀 ich glaube, vom besser schmecken oder riechen kann man sowieso nicht wirklich sprechen… irgendwie riecht und schmeckt ja jeder mensch anders – und kann anders riechen und schmecken 😀 hach, sie sind schon eine herrliche sache, unsere sinne 🙂 danke dir für die liebe kritik! ❤ und ich geb mein bestes! 😉

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